Kategorie: Cinethek

Night Moves


Thriller :: USA 2013 :: 112 Minuten
Regie :: Kelly Reichardt (›Wendy and Lucy‹)
Darsteller :: 
Jesse Eisenberg, Dakota Fanning, Peter Sarsgaard

Ist die Erde vor dem ökologischen Kollaps noch zu retten und was kann man dafür tun? Nach einer Informationsveranstaltung über die Zukunft des Planeten steht für die beiden Öko-Aktivisten Josh und Dena endgültig fest: Auch sie wollen etwas unternehmen, was die Menschen aufrüttelt, bevor es zu spät ist. Dafür sind viele kleinere, aber öffentlichkeitswirksame Aktionen notwendig. Die eine große und alles verändernde Maßnahme, die die Welt rettet, gibt es nicht. Zusammen mit Harmon, einem dritten Aktivisten, beschließen sie daher die Sprengung eines in ihren Augen überflüssigen Staudammes. Nach ausgiebiger Vorbereitung ist es so weit. Doch etwas geht schief und es gibt keine Möglichkeit mehr in die Normalität zurückzukehren.

Die Regisseurin Kelly Reichardt (MEEKS CUTOFF, WENDY UND LUCY) zählt zu den ganz großen neuen Talenten des amerikanischen Kinos. Sie interessiert sich ebenso sehr für die akribische Vorbereitung der Tat, wie für die Veränderungen, die sie in ihren Protagonisten hervorruft. So funktioniert NIGHT MOVES sowohl als Thriller als auch als Psychodrama. Durch die elegant komponierten Bilder und starken schauspielerischen Leistungen von Jesse Eisenberg (THE SOCIAL NETWORK, DIE UNFASSBAREN – NOW YOU SEE ME), Dakota Fanning (TWILIGHT, KRIEG DER WELTEN) und Peter Sarsgaard (BLUE JASMINE, AN EDUCATION) entwickelt sich eine Sogwirkung, die einen nicht mehr loslässt.

Der Film lief im Wettbewerb der Festivals von Venedig und Toronto 2013, beim Festival des Amerikanischen Films in Deauville gewann er den Hauptpreis.

»Ein Thriller zwischen Hitchcock und Dostojewski«
– Playlist

»Wie die besten Thriller übersetzt Night Moves individuelle Ängste in größere Zusammenhänge, wie der Realismus schult er den Blick für die Bedeutsamkeit scheinbar belangloser Gesten und Details. Und wie jeder herausragende Film stellt er die ganz großen existentiellen Fragen, ohne sie dem Zuschauer aufzudrängen.«
– Julia Dettke: Die Zeit vom 13. August 2014

Taste the Waste

Dokumentation :: Deutschland 2011 :: 91 Minuten
Regie:: Valentin Thurn

50 Prozent aller Lebensmittel werden weggeworfen: Jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot. Das meiste davon endet im Müll, bevor es überhaupt die Verbraucher_innen erreicht. Und fast niemand kennt das Ausmaß der Verschwendung.

Wer macht aus Essen Müll? Welche Folgen hat die globale Nahrungsmittel-Vernichtung für das Klima? Und für die Ernährung von sieben Milliarden Menschen?

Der Film findet Antworten bei Bauern, Supermarkt-Direktoren, Müllarbeitern und Köchen. In Deutschland, Österreich, Japan, Frankreich, Kamerun, Italien und den Vereinigten Staaten. Und er findet Menschen, die unserem Essen mehr Wertschätzung entgegenbringen und Alternativen entwickelt haben, um die Verschwendung zu stoppen.

The Human Scale – Bringing cities to life


Dokumentation :: Dänemark 2012 :: 80 Minuten
Regie: Andreas M. Dalsgaard

Das Leben der Menschen ist zunehmend ein Leben in Städten. Immer weniger wohnen  auf dem Land und immer mehr  in immer größeren Städten – Tendenz steigend. Aber welchen Einfluss haben sogenannte Megacitys auf unsere Verhaltensweisen? Und wie hängen sie mit dem Klimawandel, der Gesundheitsversorgung und einer zunehmenden Vereinsamung durch Anonymität zusammen?
Seit über 40 Jahren steht für den Architekten und Städteplaner Jan Gehl das Leben der Menschen in Großstädten im Mittelpunkt seiner visionären und revolutionären Arbeit.

Jan Gehl und seine Kollegen haben es sich zur Aufgabe gemacht, neues Leben in die Innenstädte zu bringen, sie wieder lebenswert zu machen. Ihre Städteplanung zielt auf die Optimierung der Beziehung zwischen gebauter Umwelt und der Lebensqualität ihrer Bewohner_innen. Sie wollen die Großstädte von der Überflutung durch Autos bewahren, Platz für Fußgänger_innen und Fahrradfahrer_innen schaffen, öffentliche Plätze ›zurückerobern‹.
Prominente Beispiele dafür sind die Fußgängerzone und die Fahrradwege in Kopenhagen, die Wiederbelebung der Innenstadt von Melbourne, die Fußgängerbereiche mit Sitzgelegenheiten auf dem Times Square in New York. Der Wiederaufbau nach einem Erdbeben der Innenstadt von Christchurch, Neuseeland, oder die Millionenstädte Chongqing in China und Dhaka in Bangladesch – der nachhaltige Ansatz Jan Gehls und der Architekten, die seinem Weg folgen, veränderten diese Innenstädte merklich zu Gunsten ihrer Bewohner_innen.

THE HUMAN SCALE präsentiert die einzigartigen Möglichkeiten der Städtebauer und Architekten, Visionen von menschlichem und nachhaltigem Stadtleben aufzuzeigen. Regisseur Andreas M. Dalsgaard hat mit THE HUMAN SCALE ein ästhetisches Experiment geschaffen, einen wichtigen und inspirierenden Film – für alle Seiten: Verantwortliche in der Städteplanung, Architekten, aber auch für ein breites Kinopublikum.

Watermark


Dokumentation :: Kanada, 2013 :: 93 Minuten
Regie: Jennifer Baichwal, Edward Burtynsky

Ohne Wasser gibt es kein Leben, keine Zivilisation, keine wirtschaftliche Entwicklung. Wasser wird gestaut und umgeleitet, verehrt und verschwendet. Der Dokumentarfilm ›Watermark‹ der mehrfach ausgezeichneten Regisseurin Jennifer Baichwal und dem international bekannten Fotografen Edward Burtynsky lädt auf eine beeindruckende Reise ein. Das Porträt des ungewöhnlichsten Elements beeindruckt mit gigantischen Bildern. Burtynsky ist bekannt für seine hochauflösenden Fotos, die die weitreichenden Folgen menschlichen Wirkens auf die Natur dokumentieren und stellt dies in ›Watermark‹ unter Beweis. Der Film zeigt den Zuschauern in weitläufigen Panoramen und faszinierenden Luftaufnahmen die universelle Bedeutung von Wasser.
Es ist bereits das zweite Projekt das Baichwal und Burtynsky mit ihrem Kameramann Nicolas de Pencier verwirklichen. In ›Manufactured Landscapes‹ von 2006 machten die atemberaubenden Weitblicke den Fotografen Edward Burtynsky so berühmt. Darin zeigen sie wie der Mensch mit seinen Industrien, den Schloten und Fabriken das Gesicht des Planeten vernarbt.

Workers

Drama :: Mexiko, 2013 :: 120 Min.
Regie José Luis Valle

Als Rafael pensioniert werden soll, erfährt er, dass er weiter arbeiten muss. Als eine wohlhabende Dame das Zeitliche segnet, wird ihrer Hausangestellten Lidia eröffnet, dass sie sich weiter um den ohnehin schon verwöhnten Hund Princesa kümmern soll, dem die Villa fortan gehört. Zwei Leben in Tijuana an der mexikanisch-amerikanischen Grenze, betrachtet mit der Geduld eines Insektenforschers. Der Erstling von José Luis Valle lehrt uns mit Humor Bilder lesen und genießen. Der Film ist ein Schaustück für Bilder-Gourmets, wie man es nicht alle Tage zu sehen bekommt. Er lebt von den Feinheiten, aus denen heraus sich die Dinge allmählich erschließen, die humorvoll sind und gleichzeitig auch das ganz alltägliche, kleine menschliche Drama offenbaren.
Auszeichnungen: Best Mexican Movie, Guadalajara Filmfestival, Berlinale 2013

Population Boom


:: Dokumentation :: Österreich, 2013 :: 90 Min.
:: Regie und Drehbuch Werne Boote

7 Milliarden Menschen auf der Erde. Schwindende Res­sourcen, giftige Müllberge, Hunger und Klima­wandel – eine Folge der Überbevölkerung? Wer behauptet eigentlich, dass die Welt übervölkert ist? Und wer von uns ist zuviel?

Mit seiner Doku Plastic Planet hat Werner Boote vor wenigen Jahren radikal verändert, was wir vom allgegenwärtigen Kunststoff halten: nicht mehr praktisches Material für eigentlich eh alles, sondern gesundheits- und umweltgefährdender chemischer Wirkstoff. Ganze Familien haben Plastik aus ihrem Alltag entfernt oder zumindest radikal reduziert, Politiker mussten umdenken, die chemische Industrie geriet unter Druck.

Nun bereist der neugierige Dokumentarist Werner Boote unseren Planeten und untersucht für POPULATION BOOM ein jahrzehntelang festgefahrenes Weltbild. Für ihn stellt sich eine völlig andere Frage: Wer oder was treibt dieses Katastrophenszenario an? Denn wer behauptet überhaupt, dass sieben Milliarden Menschen zu viel sind? Nicht die zur Neige gehenden Ressourcen, sondern deren ungerechte Verteilung und die Machtpolitik westlicher Staaten sind Schuld an Hunger und Umweltproblemen, das ist der Schluss, zu dem Boote kommt. Und wir müssen uns schleunigst darum kümmern, das zu ändern – auch wenn es bedeutet, den schützenden Schirm der Weltbank loszuwerden. „Eigentlich handelt es sich um ein jahrzehntelang eingelerntes, eingeimpftes Dogma, das der Film aushebelt“, so Boote: „Wenn man sich davon verabschiedet, kann man die entscheidenden Probleme viel leichter angehen. Das wäre mein Wunsch.“

Houston


:: Drama :: USA, Deutschland :: 107 Min.
:: Drehbuch & Regie Bastian Günther
:: Darsteller: Ulrich Tukur, Garett Dillahunt

Am Anfang scheint es noch, als bekäme Trunschka die Chance seines Lebens, dem ungeliebten Hamsterrad zu entkommen. Der Headhunter, dem selbst seine frustrierte, aber die Fassade wahrende Frau nichts mehr zutraut, nimmt einen lukrativen Auftrag an, der ihm den Ausstieg in die Frührente ermöglichen könnte. Nachdem der erste Anwerbeversuch in Deutschland gescheitert ist, soll er nach Texas fliegen, um vor Ort im Namen eines Autokonzerns den Geschäftsführer eines großen Ölkonzerns zum Jobwechsel zu bewegen. Doch statt Routine und Selbstvertrauen durchkreuzt Versagensangst seine Handlungen. Den Killerinstinkt hat der Mittfünfziger längst mit der Flasche getauscht, die auch in der glühenden Hitze von Houston nicht von seiner Seite weicht.
Als die ersten Kontaktmanöver ins Leere laufen, fällt dem Alkoholiker nichts anderes ein, als sich an der Hotelbar festzuhalten. Ein redseliger Amerikaner, der inkognito den Service von Hotelketten testet, bringt ihn mit seiner entwaffnenden Vitalität und der Kenntnis des lokalen Netzwerks wieder ins Spiel.

Trunschkas Situation spiegelt unseren modernen Lebensstil innerhalb der „Global Economy“ wider, in dem nur der schnelle Erfolg zählt und das Individuum jederzeit austauschbar ist. Das Resultat ist ein tief berührender und scharfsinniger Film, der aufzeigt, wie qualvoll es sein kann, gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden.

HOUSTON feierte beim Sundance Film Festival 2013 in der Sektion World Dramatic Competition seine Weltpremiere. Beim 11. Independent Film Festival Boston 2013, Massachusetts USA, wurde er ausgezeichnet mit dem Spezialpreis der Jury.

Master of the Universe

:: Dokumentation :: Deutschland 2013 :: 88 Min. 
:: Regie Marc Bauder

Zum ersten Mal packt ein echter Insider des internationalen Finanzgewerbes aus, einer der ehemals führenden Investmentbanker Deutschlands. Rainer Voss, der in seiner aktiven Zeit locker mit Millionen hantierte, erzählt aus eigener Anschauung, wie es in der glitzernden Finanzwelt wirklich zugeht, von all ihren Abgründen, Skrupellosigkeiten und quasi-religiösen Gesetzmäßigkeiten. Hat sich seit der globalen Finanzkrise etwas geändert? Voss‘ Ausblick gibt Grund zur Beunruhigung…

Off the beaten Track – Abseits aller Pfade


:: Dokumentation :: Irland / Rumänien 2010 :: 87 Min.
:: Regie Dieter Auner
:: DOK.fest München 2011

Noch gibt es sie: die Schafhirten im Norden Transsylvaniens, die ihren ehrwürdigen Beruf nach alter Tradition ausüben. Albin Creta ist einer von ihnen. Voller Stolz blickt er auf den in der Familie weitergetragenen Berufsstand zurück. Doch auch im ländlichen Rumänien hat der westliche Fortschrittsgedanke Einzug gehalten und zwingt die Hirten, ihre Produkte unter starkem Wettbewerbsdruck gewinnbringend zu verkaufen. Viele Familien sehen daher keinen anderen Weg, als zur Saisonarbeit nach Deutschland zu wandern.

Frohes Schaffen – Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral


:: Dokumentation :: Deutschland 2012 :: 98 Min.
:: Regie Konstantin Faigle
:: Wettbewerb 34.Filmfestival Max Ophüls 2013
:: zu Gast zum Thema „Arbeit als Religion“: Dr. Achim Dilling (Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Universität Passau)

Konstantin Faigles essayistisch-satirische Doku-Fiktion zeigt: Der moderne aufgeklärte Mensch ist nicht frei von Irrglauben und geistigem Zwang. Er hat längst einen anderen Gott erwählt: Die Arbeit.

Arbeit ist eine Sucht, ein Fetisch, ein Mantra, das uns tagtäglich umgibt. Sie ist zugleich Sicherheit, Selbstbestätigung und Existenzberechtigung. In Zeiten von Wirtschaftskrise und rasantem Arbeitsplatzabbau hinterfragt FROHES SCHAFFEN diesen „heiligen“ Lebenssinn der Arbeit. Zu Wort kommen zahlreiche Experten wie Jeremy Rifkin (Ökonom und Autor), Norbert Trenkle (Arbeitskritiker), Michael Schmidt-Salomon (Philosoph und Religionskritiker).

Eine wunderbar ketzerische, filmische Reflektion – unterhaltsam, humorvoll und zugleich tiefgründig.